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Diskurse

Wünschen heißt Werden-Wollen

Osho / 1. September 2021

Frage: Offenbar bin ich weder von dieser Welt, noch bin ich der Wächter auf dem Berge. Irgendwo muss ich doch sein. Egal was ich mache – immer sitze ich zwischen den Stühlen.

Osho: Dann gehörst du genau dorthin. Du fabrizierst ständig Probleme. Wo du auch bist – sei dort. Du brauchst kein Wächter auf den Bergen zu sein.

Es sollte kein „Sollte“ geben. Kaum tritt das „Sollte“ ins Leben, bist du bereits vergiftet. Es sollte kein Ziel geben. Es sollte kein Richtig oder Falsch geben. Dies ist die einzige Sünde: alles in Gegensatzpaare zu spalten – hier Verurteilung, da Billigung.

Ganz gleich wo du bist … wenn du zwischen dem Wächter auf den Bergen und dem Mann von Welt bist, ist das völlig in Ordnung. Da genau solltest du sein.

Und ich sag dir: Ganz gleich wo du bist – sobald du es akzeptierst, ist aus dir auf der Stelle ein Wächter auf dem Berge geworden. Selbst wenn du in der Hölle bist, löst sich die Hölle auf – denn sie kann nur solange die Hölle bleiben, wie du sie ablehnst: Die Hölle verschwindet und der Himmel erscheint. Alles, was du akzeptierst, wird himmlisch, und alles, was du ablehnst, wird zur Hölle.

Es heißt, dass man einen Heiligen nicht in die Hölle werfen kann, weil er das alchemistische Geheimnis kennt, wie man sie transformiert. Man hat euch erzählt, dass Sünder in die Hölle und Heilige in den Himmel kommen – aber da hat man euch etwas Verkehrtes erzählt. Es verhält sich genau umgekehrt: Sünder können hingehen, wo sie wollen – sie machen eine Hölle daraus; und Heilige können hingehen, wo sie wollen: Sie sind im Himmel. Sie bringen den Himmel mit, in sich. Und Sünder? – die kann man in den Himmel schicken, sie machen ihn zur Hölle. Sie können gar nicht anders.  

Wie definiert man also einen Heiligen oder einen Sünder? Ich definiere sie so: Ein Heiliger ist einer, der das alchemistische Geheimnis kennt, alles zum Himmel zu machen. Und ein Sünder ist einer, der nicht das Geheimnis kennt, alles in ein schönes Dasein zu verwandeln. Vielmehr macht er im Gegenteil alles immerzu abstoßend.

Wer von beiden du bist, spiegelt dein Umfeld wider.

Versuch also nicht, irgendwas anderes zu sein. Und auch nicht, irgendwo anders zu sein. Genau das ist die Krankheit namens Mensch: immer jemand werden zu wollen, irgendwo anders zu sein, immer das abzulehnen, was ist und sich immer nach etwas zu sehnen, das nicht ist. Dies ist die Krankheit namens Mensch.

Wach auf! Erkennst du es?! Es liegt auf der Hand… Das ist nicht meine Theorie; ich bin kein Theoretiker. Ich weise dich lediglich auf folgende einfache, nackte Tatsache hin: Wenn es dir gelingt, diesen Augenblick auszuleben, egal wo du bist, und die Zukunft samt allen Zielen und dem Wunsch, anders werden zu wollen, zu vergessen, hat sich schlagartig die ganze Welt um dich her transformiert. Und diese Transformation ist auf dich zurückzuführen.

Akzeptanz, eine tiefe, rückhaltlose Akzeptanz – das ist das ganze Geheimnis der Religion.

A möchte B werden; B möchte C werden: So entsteht das Fieber des Werdenwollens.

Du bist kein Werden; du bist ein Sein. Du bist bereits das, was du sein kannst. Alles, was du sein kannst, bist du bereits. An dir gibt es nichts mehr zu ändern; du bist ein fertiges Produkt.

Dies ist meine Deutung der biblischen Geschichte, dass Gott die Welt erschuf: Wenn der Vollendete erschafft, ist die Schöpfung vollendet. Wenn Gott erschafft, was gibt es da zu verbessern? Führt euch nur mal vor Augen, wie absurd das ist! Der bloße Gedanke ist absurd. Du willst es besser machen als Gott – das kannst du doch gar nicht. Damit kannst du dich unglücklich machen, das ist alles. Und du kannst unnötig leiden. Und du wirst an Krankheiten erleiden, die nur in deiner Fantasie existieren und nirgendwo sonst. Wenn Gott erschafft, heißt das: Aus Vollendung kommt Vollendung.

Du bist vollendet! Es fehlt an nichts. Geh in dich, jetzt sofort, in diesem Moment. Sieh dich in dir um. Was brauchst du? In dir ist doch alles in Ordnung und schön! Ich kann nicht einmal eine Wolke sehen. Sieh dich um in dir selbst – da ist weit und breit keine Wolke in deinem Innern zu sehen. Alles ist voller Licht.

Doch dein Verstand wird sagen, früher oder später: „Sei was anderes, sei woanders, mach was aus dir!“ Dein Verstand lässt dich nicht in Frieden. Der Verstand ist Werden, und deine Seele ist Sein. Darum wird Buddha nicht müde zu sagen: „Du wirst erst ankommen, wenn du alles Wünschen aufgibst!“

Wünschen heißt Werdenwollen. Wünschen heißt Etwas-anderes-sein-wollen. Wünschen heißt, dich nicht so zu akzeptieren, wie du bist – in welcher einer Situation auch immer.

 „Ja“ zum Leben zu sagen, heißt religiös sein; „Nein“ zum Leben zu sagen, heißt areligiös sein. Und wann immer du dir etwas wünschst, sagst du damit „Nein!”, sagst du: „Etwas Besseres ist möglich!”

Die Bäume sind glücklich und die Vögel sind glücklich und die Wolken sind glücklich – weil sie nichts werden müssen, weil sie einfach nur sind, was sie sind.

Der Rosenstrauch will schließlich kein Lotus werden. Der Rosenstrauch ist es völlig zufrieden, ein Rosenstrauch zu sein. Man kann ihm das nicht ausreden. Man kann ihm den Lotus in den schönsten Farben schildern, man wird ihn nicht dazu verführen können, ein Lotus zu werden. Er wird einfach nur lachen – denn ein Rosenstrauch ist ein Rosenstrauch ist ein Rosenstrauch. Er ist vollauf mit sich zufrieden und ruht in sich. Darum ist die ganze Natur ohne Fieber: unaufgeregt und still und gelassen. Und in sich ruhend!

Nur der menschliche Geist ist chaotisch, weil jeder unbedingt jemand anders sein möchte. Und das machst du nun schon seit unzähligen Leben. Und wenn du nicht jetzt aufwachst – wann gedenkst du dann aufzuwachen? Du bist längst reif dafür.

Entschließe dich hier und jetzt, das Leben zu genießen und dich zu freuen. Hör auf zu wünschen! Genieße, was immer du bist. Genieße dein Dasein. Und dann verschwindet plötzlich die Zeit; denn die Zeit existiert nur, solange ihr Wünsche habt. Die Zukunft existiert aufgrund eurer Wünsche.

Dann werdet ihr wie Vögel sein; lauscht ihnen. Dann werdet ihr wie Bäume sein: Seht – welche Frische, welches Grün, was für Blüten!

Sei bitte, wo du bist. Ich habe nicht vor, ein neues Verlangen in euch zu wecken; ich bin nur hier, um euch die ganze Absurdität des Verlangens bewusst zu machen. Alles Verlangen ist Sansar – die Welt.

Wer erleuchtet wird, hat die Nichtigkeit des Verlangens verstanden. Wer herausgefunden hat, dass er längst ist, was er seit jeher hat sein wollen, ist ein Buddha.

Und ihr seid alle Buddhas: Ihr mögt noch so tief schlafen und schnarchen – das spielt überhaupt keine Rolle.

Lasst mich euer Wecker sein. Öffnet die Augen. Ihr habt lange genug geschlafen. Es ist Zeit aufzuwachen. Der Morgen klopft an die Tür.

 

Aus: Turning in

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