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Interviews

Wie ein Magnet – zur Geschichte des Osho UTA, Teil 3

Mit Ramateertha

Bodhi Ishu interviewte Ramateertha, den Initiator und langjährigen Leiter des Osho UTA Instituts. In den vorhergehenden Folgen beschreibt Ramateertha, wie sich das Kölner Buddhafeld mit seiner Vielzahl an Sannyasbetrieben entwickelte, die Auflösung der Kommune, die Veränderungsphasen und Expansion des Zentrums.

von Ishu Lohmann

I: Wie ist es für dich heute, wenn du den Ashram in Pune besuchst?

Rt: Dazu möchte ich eine Geschichte erzählen: Im Jahr 2000 habe ich mir einen ganz alten Wunsch erfüllt. Ich bin nach Südindien gereist und habe den Ashram von Ramana Maharshi besucht. Ramana Maharshi ist der Meister, der als Erster mit der Frage: „Wer bin ich?“ – gearbeitet hat und Osho hat viel über ihn gesprochen. Und da ich viel mit dem Koan: Wer bin ich? für mich und in Gruppen gearbeitet habe, wollte ich den Platz sehen, wo Ramana Maharshi gearbeitet hat. Dieser Besuch war eine ganz erstaunliche Erfahrung für mich. Ich kam also an diesen Platz, wo der Meister bereits vor fünfzig Jahren seinen Körper verlassen hatte und ich kam mit ganz unschuldigen Augen. Ich hatte keine Vergangenheit mit diesem Platz und so konnte ich nicht vergleichen. Ich rieb mich nicht an irgendwelchen Strukturen, hatte keine bestimmten Vorstellungen, wie es sein sollte oder nicht sein sollte. Ich habe dort ganz viel von der Qualität, die Ramana hat, unmittelbar erfahren können. Das hat mich sehr tief berührt. Dadurch, dass ich jeden – egal, ob er eine Funktion im Ashram hatte oder nicht - als gleich ansah, hatte ich auch keine Power-Trips oder Fragen, wer mehr oder wer weniger darstellt. Es ging einfach nur darum, was in mir drin stattfindet.
Als ich dann ein paar Tage später zurück nach Pune kam, saß ich auf der Zen-Mauer und schaute völlig entspannt auf den marmornen Weg, der um die Buddha-Halle führt. Ich sah diesen Platz und sah, dass er unglaublich schön ist. Und dann konnte ich sehen, dass ich in Pune nicht mit den gleichen unschuldigen Augen gucke, sondern Bilder im Kopf habe von der Vergangenheit und davon, wie alles sein sollte oder nicht sein sollte.

 

Das Leben geht weiter

Rt: Ich konnte sehen, dass ich durch meine Verhaftung mit der Vergangenheit auch anfange zu kämpfen, mit dem was jetzt da ist. Dann habe ich begriffen, dass das sinnlos ist und dass das Leben weitergeht. In dem Moment konnte ich auch sehen: Die Leute, die den Platz dort machen, machen ihn sicherlich so, wie sie glauben, dass es am besten ist. Das glauben wir in Köln von uns auch. Und so wie es in Köln Leute gibt, die dieses oder jenes nicht gut finden, was wir machen – so gibt es Leute, die Kritik haben an dem, was in Pune läuft. Was soll´s?!  Ich ging weg mit einem Gefühl von innerem Frieden und auch mit einer Achtung vor den Leuten, die den Platz dort machen, so wie sie es für richtig halten.

I: Gab es später weitere Versuche die Vorstellungen von Pune auf Köln zu übertragen?

Rt: Doch, die gab es immer wieder. Da habe ich eine klare Grenze gezogen. Das, was für Pune richtig ist, muss noch lange nicht für Köln richtig sein. Ich sah den Inner Circle immer als ein Organ, das dafür zu sorgen hat, dass die praktische Seite des Ashrams funktioniert, und nicht als spirituelle Instanz. Diese Grenze sehe ich oft nicht gewahrt und dagegen verwehre ich mich. Das, was Oshos Vision für jeden Einzelnen bedeutet, kann nur jeder für sich ganz allein entscheiden. Osho kann nicht in Doktrinen zerlegt werden. Es gibt keine Instanz, die sagen kann, das ist Osho und das ist nicht Osho. Jedes Dogma widerspricht dem Wesen von Osho. In dem Zusammenhang halte ich die Tatsache, dass der Name Osho zum Trademark gemacht wurde, für einen Widerspruch in sich. Es geschieht mit dem Argument, dass da, wo Osho drauf steht, auch Osho drin sei. Aber wer sagt, was „Osho“ ist?
Der Akt des Trademarkings in sich ist so wenig Osho, dass ich dem nicht zustimmen kann. Für mich ist das so ähnlich wie jemand, der sagt: Ich bin gegen die Todesstrafe, aber jeder, der für die Todesstrafe ist, der sollte erschossen werden. In dem Trademark sehe ich den Versuch, durch legale Tricks Osho zu monopolisieren. Dagegen verwehre ich mich.

I: Es scheint so, als hätte es in den letzten fünf Jahren im UTA noch einmal einen Sprung nach vorne gegeben. Wie siehst du das?

RT: Das stimmt und hängt, so glaube ich, mit zwei Ebenen zusammen. Zum einen haben wir, was die wirtschaftliche Seite angeht, ein viel professionelleres Verständnis gewonnen. Das heißt, Leute, die mehr Verantwortung tragen, verdienen auch mehr. In der Kommune wurde jeder gleich bezahlt. Von diesem Denken haben wir uns gelöst, denn das war  ein Hemmschuh und lähmte jede Initiative. Irgendwann waren alle Geschäftsführer im UTA so ausgebrannt, dass sie zurücktraten.   
Wir haben dann mit Nirsargam für zwei Jahre einen Geschäftsführer hereingenommen, der keine Vergangenheit mit der Kommune hatte. Er kam von außen und hatte so viel mehr Abstand zu der Situation, in der wir uns befanden. Und als Unternehmer brachte er eine neue Betrachtungsweise mit ein, die wir in der Form nicht kannten. Er hat dann eine klarere Struktur geschaffen, sodass sich auch in finanzieller Hinsicht ein deutlicherer Ausgleich von Geben und Nehmen ergab.   Das war die eine Ebene.

 

Aufwachen und Verantwortung übernehmen

Rt: Gleichzeitig fand aber auch ein innerer Klärungsprozess statt. Der hatte damit zu tun, dass wir die kleine Disko verloren und das Restaurant Zorbas verkaufen mussten. Wir sahen, dass etwas nicht stimmte in der Art und Weise, wie wir mit Eigentum umgingen. Allen gehörte alles, aber keiner nahm wirklich die Verantwortung. Wir merkten: Wenn wir jetzt nicht aufwachen und die Verantwortung wirklich übernehmen, dann fällt das Ganze auseinander. Das führte noch einmal zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit dem, was in der Kommune geschehen war. Wir führten einen Klärungsprozess herbei, der uns half,  wieder auf eine gemeinsame Mitte schauen zu können.
Inzwischen ist im UTA etwas gewachsen – nicht nur, was die Arbeit angeht, sondern auch, was das Team betrifft. Hier sind Leute, die lange auf dem Weg sind, sich in der Arbeit ergänzen. Und das schafft einen sehr fruchtbaren Boden.

I: Du sagtest zu Anfang unseres Gespräches, es wäre dein Anliegen für das Kölner Center gewesen, nicht von Therapie abhängig zu werden. In gewisser Weise seid ihr das heute  – wie gehst du damit um?

Rt: Die Situation heute unterscheidet sich grundsätzlich von der damals. Es ging damals darum, dass die Kommune wuchs und wir mussten dafür Arbeitsplätze schaffen. Das sollte aber nicht auf Kosten des Therapiebetriebes geschehen und so haben wir uns andere Arbeitsbereiche erschlossen. Nach der Auflösung der Kommune leben wir in einem anderen Kontext. Auch damals haben wir schon Therapie angeboten und waren den Gesetzen von Angebot und Nachfrage unterworfen. Das ist heute nicht anders. Wir bieten das an, was wir an Qualität und was wir an Erfahrung zu bieten haben. Und diese Qualität und Erfahrung zieht viele magisch an. Gerade zum Beispiel an diesem Wochenende sind in der Awareness Intensive-Gruppe fünfundzwanzig Leute, die sich drei Tage lang hinsetzen mit der Frage „Wer bin ich?“ bzw. „Wer ist da drin?“. Wir hatten früher ganz große Schwierigkeiten, genügend Teilnehmer für eine solche, rein meditative Gruppe zu finden. Gleichzeitig findet an diesem Wochenende auch ein Meditations-Camp mit dreißig Teilnehmern statt. Und wenn ich das sehe, dann habe ich das Gefühl: Wir sind auf dem richtigen Weg. Das hat Substanz. Therapie alleine wäre mir zu wenig, aber in dem Kontext kann ich es mit ganzem Herzen unterstützen, weil ich weiß, dass es Teil eines größeren Prozesses ist.
Ich glaube, die Leute kommen auch deswegen ins UTA, weil der Platz selbst, als Feld in sich so stark ist, dass er wirklich wie ein Magnet funktioniert. Ich höre das immer wieder, dass manche Leute zufällig in Oshos Place kommen und dann merken, hier ist etwas Besonderes und dass sie sich dann fragen: Was hat es mit diesem Platz auf sich? Ich glaube, es ist die Begegnung des Zorba mit dem Buddha, was die Leute anzieht.

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