Direkt zum Inhalt

Leseprobe: Das innere Zuhause - Was Spiritualität heute bedeuten kann

Das innere Zuhause - Was Spiritualität heute bedeuten kann

Samarona Buunk leitete seit über 30 Jahren spirituelle Gruppen, therapeutische Trainings und Weiterbildung und hat im UTA sowie an zahlreichen anderen Orten Menschen auf ihrem Weg zu sich selbst begleitet und unterstützt.Nun hat er Buch geschrieben, das sich dem Abenteuer Selbsterkundung widmet: „Das innere Zuhause – Was Spiritualität heute bedeuten kann“.  Als Leseprobe gibt es hier das Vorwort von Samarona Buunk. 

Vorwort
Wenn mich jemand fragt, was ich von Beruf bin, dann fällt es mir oft nicht leicht, zu erklären, was ich täglich mache. Vor allem, wenn ich es jemandem erklären soll, der mit dem, was meine Arbeit ausmacht, noch keine Erfahrung gemacht hat. Manchmal sage ich, dass ich Heilpraktiker für Psychotherapie sei – das ist sozusagen die offizielle Bezeichnung. Ich bin aber weder Heilpraktiker noch würde ich mich als Psychotherapeut beschreiben, obwohl ich einige Jahre Psychologie studiert und zahlreiche psychotherapeutische Verfahren gelernt habe und in meiner Arbeit anwende. Ich empfinde die Bezeichnung Psychotherapeut dennoch nicht als zutreffend. Was mir besser gefällt, ist, mich als Wegbegleiter zu bezeichnen, als Reisegefährte. Ich bin jemand, der andere ein Stück auf ihrem Lebensweg begleitet. Dass ich an einem Punkt meines Lebens dazu übergegangen bin, andere auf ihrem Weg zu begleiten, hat mit meinem eigenen Lebensweg zu tun. Mein Weg hat mich schon in sehr jungem Alter mit Meditation und Spiritualität in Kontakt gebracht. Ich habe der Praxis von Meditation und Selbsterkundung in meinem persönlichen Leben eine zentrale Rolle eingeräumt. Ich habe in spirituellen Gemeinschaften gelebt und mich von verschiedenen spirituellen Lehrern unterrichten lassen. Wenn ich beschreiben soll, was die spirituelle Praxis mir gezeigt hat, dann würde ich sagen, dass sie mir ermöglicht hat, mein inneres Zuhause zu finden. Ich meine damit keinen geografischen Ort irgendwo auf dieser Erde, sondern eine Verwirklichung dessen, was ich in meiner Tiefe bin.


Seitdem ich selbst erfahren habe, was es heißt, das innere Zuhause zu finden, sehe ich, dass dies im Grunde alle Menschen auf ihrem Lebensweg versuchen. Manche erfahren die Schritte, die sie auf diesem Weg machen, sehr bewusst, andere stolpern durch ihr Leben, ohne zu spüren, dass es eine innere Instanz gibt, die sie durch das Leben führt. Die Erkenntnis, dass es in der Natur des Menschen liegt, den Weg zum inneren Zuhause zu suchen, macht es für mich selbstverständlich, andere in einem Rahmen von Offenheit und liebevoller Zuwendung auf ihrem Weg nach Hause zu begleiten. So ist meine Arbeit, die zum Teil auf psychotherapeutischen Methoden und zum Teil auf Meditation und spiritueller Praxis beruht, zu einem Prozess geworden, der Menschen auf ihrem Weg nach Hause begleitet. Es ist eine Begegnung östlicher Weisheitstraditionen mit der modernen, westlichen Psychotherapie.
Das innere Zuhause zu finden, kann für jeden Menschen etwas sehr Unterschiedliches bedeuten. Es kann eine Pause bedeuten vom Rennen im Hamsterrad des Alltags, ein Ankommen im einfachen Sein. Es kann einen Moment von Frieden bedeuten, eine Auszeit von konfliktreichen oder ambivalenten Situationen. Es kann in Situationen von emotionalem Schmerz und Leid eine Zuflucht im Herzen sein. Nach Hause kommen kann auch bedeuten, dass ich einen Abstand finde zu den Rollen, die ich im Leben spiele, sodass ich für einen Moment ganz ich selbst sein kann. Je mehr wir uns im Nach-Hause-Kommen üben, umso deutlicher wird uns, dass damit ein lebenslanger Prozess der Selbstverwirklichung in Gang gesetzt wird, der die Transformation unseres Selbst ermöglicht. Wenn wir im inneren Zuhause angekommen sind, dann wissen wir, dass es eine tiefe Wahrheit gibt, ein Bewusstsein, das jedem von uns zur Verfügung steht. Wir wissen, dass dieses Bewusstsein der Ursprung ist von allem, was uns im Leben führt, es ist die Quelle des inneren Friedens, der Freude, der Liebe, es ist der Platz, der uns ermöglicht, mit Mut ins Unbekannte zu gehen und beharrlich zu sein, bis wir im inneren Zuhause angekommen sind. Durch Selbsterforschung und die Praxis der Meditation lernen wir, nach Hause zu kommen.

In den östlichen Weisheitstraditionen hat Meditation einen zentralen Stellenwert. Meditation ist keine Aktivität, deswegen ist das Verb „meditieren“ missverständlich. Meditation ist Bewusstsein, ein Bewusstsein, das tiefer ist als der Verstand. Ein Bewusstsein davon, was natürlich ist, was nicht durch Aktivität erzeugt wird. Meditation erlaubt einen Zugang zu dem, was wahr, was real in uns ist. Manche nennen es: das, was essenziell ist. Meditation ist der natürliche Zustand, den wir meistens nicht mehr spüren, weil wir zu sehr in unserem „Tun“ verhaftet sind. Meditation ist die Abwesenheit von Tun, von Aktivität. Wenn wir uns in Ruhe lassen, sind wir im Stande, den ursprünglichen Zustand zu spüren, unsere wahre Natur. Das ist es, was wir „im inneren Zuhause ankommen“ nennen. Wir erfahren wieder unsere wahre Natur. Sie kann nicht verloren gehen, sie kann nur in Vergessenheit geraten. Ein passendes Bild ist der Mond, der hinter einer Wolke zum Vorschein kommt. Die Wolke gehört nicht zur Natur des Mondes. Der Mond bleibt der gleiche Mond, unabhängig davon, ob Wolken ihn verhängen oder nicht. Die Wolke war nur vorübergehend da. Der Verstand ist wie eine Wolke. Das Denken ist eine Wolke. Durch das Denken fällt es uns oft schwer, das Bewusstsein hinter dem Denken wahrzunehmen. Deine Natur kümmert das nicht. Sie bleibt unberührt, pur, essenziell. Genauso wie es den Mond nicht kümmert, ob die Wolke da ist oder nicht. So gesehen ist das Ankommen im inneren Zuhause ein Prozess der Selbstverwirklichung, und das, was wir verwirklichen oder realisieren, ist unser essenzielles Selbst, unsere „Buddhanatur“, wie das im Buddhismus genannt wird. Der Prozess der Selbstverwirklichung ist zur gleichen Zeit auch ein Transformationsprozess unseres Ego-Selbst. Die östliche Tradition beschreibt einen Prozess des Vergessens durch die Kristallisierung des Egos, und auch die westliche Psychotherapie beschreibt einen Prozess, in dem das Ego-Selbst im Laufe der ersten sechs Lebensjahre entsteht. Dieses Buch setzt sich mit den Umständen auseinander, die notwendig sind, um uns an das zu erinnern, was wir glauben, durch das Vergessen verloren zu haben.

Ein Buch zu schreiben, das Spiritualität zum Gegenstand hat, ist herausfordernd. Spiritualität beruht nicht auf Konzepten, sondern ist nur durch unmittelbare Präsenz im Hier und Jetzt erfahrbar. Genauso schwierig ist es, jemandem den Klang einer Bambusflöte zu beschreiben. Wenn wir ver suchen, darüber zu sprechen, brauchen wir Worte und Konzepte. Die Ego-Realität beruht auf Konzepten. Deshalb sind bei dem Versuch, Spiritualität durch Konzepte zu beschreiben, Missverständnisse vorprogrammiert. Viele Weisheitstraditionen waren sich dieses Umstands bewusst. Sowohl in der Zen-Tradition als auch in der Sufi-Tradition hat man deswegen Geschichten erzählt, die die Wahrheit umschreiben. Im Zen sagt man, dass der Finger, der auf den Mond zeigt, nicht der Mond sei. Worte, die den Klang einer Bambusflöte beschreiben, sind nicht der Klang der Bambusflöte. Deswegen erzähle ich in diesem Buch viele unterschiedliche Geschichten. Es ist nicht relevant, ob diese wahr oder erfunden sind, sie sind Andeutungen, Metaphern, und ich hoffe, dass man dadurch etwas erfährt und sich daran erinnert, was diese Geschichten vermitteln wollen. Die Finger sind nicht wichtig, verschiedene Traditionen werden mit unterschiedlichen Fingern zeigen. Was wichtig ist, ist dasjenige, worauf die verschiedenen Finger hinweisen. Wenn man den Geschichten nur mit dem Verstand zuhört, wird er sich an den Worten festbeißen, und dadurch wird man die wahre Bedeutung verpassen. Man braucht ein poetisches Herz, um diesen Geschichten zuzuhören. Nur so können wir uns daran erinnern, wo unser inneres Zuhause ist. 

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil behandelt das Thema „Das innere Zuhause“ im Allgemeinen. Zuerst beschreibe ich die wichtigsten Wegweiser und Meilensteine, die unterstützend sind bei der Heimkehr: Präsenz, Essenz, die spirituelle Dimension, die wahre Natur und das Erwachen. Dann folgt ein Überblick über die traditionellen und die modernen Wege nach Hause, und ich versuche, einige Vorurteile über Spiritualität, Religion, Psychologie und Wissenschaft zu klären. Ich schildere, wie man zuerst seine Herkunft vergessen und dann wieder heimkehren kann. Und wie der Prozess des Vergessens mit der Verfestigung des Egos zusammenhängt. Der zweite Teil behandelt die spirituelle Praxis. Die Praxis beschreibt den Weg nach Hause. Wir tragen alle die „Buddhanatur“ in uns, das bedeutet: Jeder kann sein inneres Zuhause finden. Ob das auch wirklich stimmt, kann man nur herausfinden, indem man sich auf den Weg nach Hause begibt. Damit die Wahrheit uns in unserer Tiefe erreichen
und transformieren kann, braucht es Praxis. Durch ein tiefes Verständnis von Ego und Essenz wird deutlich, wie die Schritte der Praxis aussehen. Ich habe zehn Schlüssel der Praxis beschrieben, die alle den Weg nach Hause weisen.
Ich habe diesem Buch die Widmung des Navkar Mantra vorangestellt, weil sie eine Verbeugung vor allen Menschen beinhaltet, die jemals sich selbst gekannt haben. Zahllose Menschen haben sich immer wieder die gleichen Fragen gestellt: „Wer bin ich, was ist mein Ursprung, wo komme ich her, wo gehe ich hin?“ Durch die Praxis konnten die Fragen beantwortet werden, nicht auf eine kognitive, mentale Art, aber durch ein Erfahren der Wahrheit im Hier und Jetzt. Dies ist es, was man spirituelle Praxis nennt, und es gibt sehr viele verschiedene Traditionen der spirituellen Praxis. 

Ich verbeuge mich vor allen Menschen, die jemals sich selbst erkannt haben. Ich verbeuge mich vor allen Meistern und Lehrern, die mich begleitet haben auf meinem Weg. Ganz im Besonderen bedanke ich mich bei Osho, der mir die Augen geöffnet hat und mich seit vielen Jahren führt, sogar nachdem sein Körper diese Erde verlassen hat. Ich
bedanke mich auch besonders bei A. H. Almaas, der mir durch die Ridhwan Schule einen Platz geboten hat, meine Praxis ganz lebendig zu halten und in immer tieferen Dimensionen anzukommen. Ich bedanke mich bei Jiddu Krishnamurti und Faisal Muqaddam, die für Abschnitte meiner Reise meine Begleiter waren. Ich verbeuge mich vor allen Meistern und Lehrern der vielen verschiedenen Traditionen der spirituellen Praxis. Ich verbeuge mich vor allen Meistern der hinduistischen Tradition, vor allen Meistern der buddhis tischen Tradition, vor allen Meistern der Sufi-Tradition, vor allen Meistern der Dao-Tradition, ich verbeuge mich vor den christlichen Mystikern, den mystischen Strömungen aus dem griechischen Raum, den jüdischen Mys tikern und den vielen Mystikern, die sich nicht innerhalb einer Religion verorten lassen. Ich bin geneigt, diese vielen Namen der Mystiker aufzulisten, der Klang dieser Namen bringt mein Herz in Schwingung. Diese vielen Namen sind die Verkörperungen des Namenlosen, der Wahrheit, die wir alle in uns tragen und die uns alle verbindet. 

Ich verbeuge mich vor allen Menschen, die jemals sich selbst erkannt haben.
Ich verbeuge mich vor allen, die angekommen sind.
Ich verbeuge mich vor allen, die Meister sind.
Ich verbeuge mich vor allen Lehrern.
Ich verbeuge mich vor allen Menschen, die jemals sich selbst
gekannt haben.
Uneingeschränkt.
Om shantih shantih shantih

Das Buch "Das innere Zuhause - Was Spiritualität heute bedeuten kann" ist im Innenwelt Verlag erschienen.  Hier gibt es die vollständige Leseprobe zum Download. 

Zur Person

Samarona Buunk

Studierte Psychologie und Philosophie. Heilpraktiker (Psychotherapie). Ausgebildet in psychologischer Beratung, DeHypnotherapie, Dynamischer Körpertherapie, Primärtherapie, Tantra, Systemischer Paartherapie und Rebalancing. Schüler Oshos seit 1980. Training in Diamond Work bei A.H. Almaas und Faisal Muquaddam. Samarona leitet Seminare
und Trainings in Dynamischer Körpertherapie, Paartherapie, Tantra und Humanistischer Psychotherapie. Er gehört zum Therapeutenteam des Osho UTA Instituts und der UTA Akademie. 2018 erschien sein Buch "Das innere Zuhause – Was Spiritualität heute bedeuten kann".

Das Innere Zuhause - Cover.jpg

Weitere Themen und News

Diese Seite teilen via