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Diskurse

Dieser Augenblick ist euer Paradies

von Osho

Frage an Osho:

"Auf die Gefahr hin, lächerlich zu klingen: Mir ist es inmitten all dieser Bedrücktheit über die Zukunft der Welt ehrlich gesagt völlig egal, ob die Welt morgen untergeht. Wozu also darüber reden und Öl in das gewaltige Feuer der Weltuntergangsstimmung gießen, das bis in alle Ewigkeit im deprimierten Verstand der Menschen zu prasseln scheint? Irgendwann reicht’s. Mir ist klar: Es gilt Jetzt oder Nie. Also dann los: Tanzen wir!"
 

Osho:

Vimal, es ist leicht zu sagen „Mir ist die Welt ehrlich gesagt schnurzpiepegal;” aber lass es dein Herz fühlen. Die Welt ist nicht etwas außerhalb von dir; die Welt steckt auch in dir. Du bist die Welt. Und diesem Problem der ständig näher rückenden Dunkelheit muss man Bedeutung zumessen, damit ihr euch für das Jetzt entscheidet und mit dem Aufschieben aufhört. Es ist wahr: „Jetzt oder Nie!” – aber es gibt so wenige Menschen auf der Welt, die jetzt leben. Sie leben immer entweder in ihren Gestern oder Morgen.

Warum bestehe ich darauf, dass zum ersten Mal die Möglichkeit besteht, dass es überhaupt kein Morgen mehr gibt? Es gibt ein altes Sprichwort: „Morgen kommt nie.” Aber das war freilich nur ein Sprichwort, doch das Morgen hat sich nicht dran gehalten und ist immerzu gekommen. Es mag nicht als Morgen kommen; es wird immer als heute kommen – in diesem Sinne stimmt das Sprichwort. Heutzutage jedoch ist die Situation eine total andere: Morgen mag wirklich nicht kommen.

Lasst es bitte tief in euch einsinken, dass wir ganz am Ende der Straße angekommen sind – und dass uns nichts übrigbleibt als zu tanzen und zu jubeln. Auf dass es JETZT geschieht, zerstöre ich euer MORGEN restlos. Ich rede es euch aus dem Kopf – der an nichts anderes denken kann als an morgen. Selbst wenn ihr behauptet zu verstehen, dass vielleicht schon morgen die Welt enden könnte, redet euch euer Verstand insgeheim ein: „Die Welt hat schon Tausende von Kriegen überlebt, da wird ein Krieg mehr keinen großen Unterschied machen.”

Der Verstand ist sehr schlau im Erfinden von Ausreden … dass irgendwas schon die Zerstörung verhindern wird. Und sage ja nicht, dass die Zerstörung nicht verhindert werden soll, sondern ich sage nur, dass ihr insgeheim keine Ausreden mehr für Aufschub haben dürft, auf dass sich eure gesamte Energie im Jetzt bündelt und nicht in der Zukunft verzettelt. Und wenn sich eure gesamte Energie auf diesen Punkt konzentriert, dann könnt ihr noch in diesem Augenblick erleuchtet werden. 
Erleuchtung ist nichts anderes, als dass sich euer Bewusstsein auf einen einzigen Punkt konzentriert – hier und jetzt.

Du sagst: „Irgendwann reicht’s.” Nein, Vimal. Dem menschlichen Verstand reicht es nie. Die Leute setzen ihre alte unbewusste Lebensweise fort – und trösten sich verzweifelt damit, dass die Welt, obwohl es immer Leute wie Jesus und Buddha gegeben hat, die ihr Ende vorausgesagt haben, ja immer noch da ist. Diesmal ist die Lage allerdings vollkommen anders; es ist einfach so gewiss geworden, so logisch gewiss, dass es keine Möglichkeit mehr zu geben scheint, es zu vermeiden. 

Ich aber bin nicht daran interessiert, es zu vermeiden – wenn es zu vermeiden ist, wird es vermieden werden; ich bin daran interessiert, euch so klar zu machen, dass es nicht zu vermeiden ist – und ihr keine Zukunft mehr habt, in die ihr eure Energie investieren könnt –, dass ihr eure ganze Energie im jetzigen Augenblick bündeln müsst. Und sobald die ganze Energie im Hier und Jetzt gebündelt ist, findet die Explosion des Lichts statt und ihr seid zum ersten Mal restlos ihr selbst – ein ewiges Wesen, ein unsterbliches Wesen, das keinen Tod kennt, dem noch nie irgendeine Dunkelheit begegnet ist.

Du sagst: „ Also dann los: Tanzen wir!“ Aber euer Tanz muss total sein – denn ihr könnt tanzen und immer noch an die Zukunft denken; ihr könnt tanzen und immer noch denken, dass wir morgen wieder tanzen werden. Tanzt, als ob dies der letzte Tanz ist. Tanzt selbstvergessen, ohne etwas zurückzuhalten. Das wird eurem Sein die Transformation bescheren … und vielleicht nicht nur euch, sondern auch anderen. Ein Politiker hält eine Rede und sagt: „Liebe Mitbürger, wir müssen den Status Quo wiederherstellen.” Ein Mann aus dem Publikum brüllt: „Was heißt Status Quo?” Der Politiker antwortet, in einer seltenen Anwandlung von Ehrlichkeit: „Tatsächlich ist es ein lateinischer Ausdruck für den Mist, in dem wir sitzen.

Oberflächlich betrachtet scheint alles wie am Schnürchen zu laufen, aber tief darunter, in den unbewussten Schichten der Menschen, geht alles drunter und drüber. Euch sind eure eigenen unbewussten Albträume nicht einmal bewusst, aber die Menschheit leidet wie sie noch nie zuvor gelitten hat.
Sie ist so rastlos wie nie zuvor. Sie hat die Sprache der Entspannung vergessen, sie hat die Sprache der Ganzheit vergessen, sie hat die Sprache der Intensität vergessen. Und all diese Eigenschaften benötigt ihr, um euer Dasein mit Meditation revolutionieren zu können. Da kommt es weder auf Moral an, noch auf Charakter oder Tugend. Mit all diesen Dingen haben es die Religionen seit Jahrtausenden versucht, den Menschen zu ändern – aber es ist ihnen nicht gelungen. Dies dagegen ist ein total anderer Ansatz, eine andere Dimension: die Dimension der Energie und der Konzentration von Energie.   

Und diese ist genauso unsichtbar wie die Atomenergie und die Explosion eines winzigen Atoms in seine Bestandteile Elektrone, Protone und Neutrone. Die Augen können sie nicht sehen, aber die Explosion ist so gewaltig, dass sie eine Großstadt wie Nagasaki oder Hiroshima vernichten kann – gleichsam parallel dazu ist die innere Explosion der lebenden Zelle. Die Atomenergie ist weltlich und destruktiv – objektiv und destruktiv. Die innere Energie, die subjektive Urzelle eures Seins, hat dieselben Eigenschaften, dieselbe gewaltige Kraft, wenn sie explodiert – nur ist sie kreativ.

Es ist eine Kettenreaktion: Eine Zelle in euch explodiert und dann werden andere Zellen in euch angesteckt und explodieren eine nach der anderen. Das ganze Leben wird zu einem festival of lights, einem Feuerwerk. Jede Geste wird zum Tanz, jede Regung wird zum Freudenfest. Wenn ich immer davon spreche, dass es keine Zukunft gibt, hat das nichts Deprimierendes, hat das etwas mit euch zu tun: Wenn ihr den Gedanken an die Zukunft restlos aufgeben könnt, könnt ihr augenblicklich erleuchtet werden. Und es ist von Vorteil, den Gedanken an die Zukunft aufzugeben, denn dann verschwindet die Zukunft einfach. Aber hegt nun bitte nicht den Hintergedanken, dass dies auch nur wieder ein Trick sei. Mit solchen Strategien ist euer Verstand nur darauf aus, dass ihr dieselben alten Zombies bleibt. 

Der Verstand ist gerissen. Wenn ihr sehr früh aufstehen wollt und den Wecker stellt, und ihr hört ihn klingeln … Der Verstand ist raffiniert genug, euch träumen zu lassen, dass ihr in einer Kirche sitzt, deren Glocken läuten. Dann ist der arme Wecker geliefert: Der Verstand hat einen Traum erfunden, der es euch ermöglicht weiterzuschlafen. 

Die alten Religionen waren vor allem in einem hartnäckig, sie setzten auf die Zukunft. Wohlgemerkt nicht nur auf die Zukunft des jetzigen Lebens, sondern darüber hinaus; ihnen ging es nur darum, eure gesamte Energie in ein Projekt für ein zukünftiges Leben zu stecken – nach dem Tod, in ein Paradies, weit, weit weg. Diese Strategie hat funktioniert; sie hat euch alle Lebenslust geraubt. Die Leute haben einfach nur aufs Paradies gewartet; unser hiesiges Leben, unsere Erde, wurde zu einem Bahnhofswartezimmer degradiert. 

Alle warten sie auf den Zug. Und der Zug kommt nie und dann studieren die Leute den Fahrplan. Und sie lassen den Warteraum verkommen, weil es ja nur ein Warteraum ist – besonders in Indien. Ich bin oft mit dem Zug gefahren – unzählig viele Warteräume. Und ich sah, warum sich die Leute in einem Warteraum anders benehmen als zu Hause … Sie essen Bananen und werfen die Schalen überall hin – es ist ja bloß ein Warteraum, es ist nicht ihr Wohnzimmer. Gleich kommt ihr Zug, dann sind sie weg. Die Warteräume starren vor Dreck, ihre Toiletten sind eine Zumutung, und niemand sorgt dafür, dass sie nicht noch mehr verdrecken – weil alle Augen auf die Zukunft starren. Sie studieren ihre Fahrpläne, wann ihr Zug ankommt, und dann werden sie fahren. In allen heiligen Schriften steht, diese Welt sei lediglich ein Wartezimmer; euer wahres Zuhause sei weit entfernt, über den Wolken. Dort fange das Leben erst an; hier warte man nur. 

Ich versuche, die ganze religiöse Denkweise zu verändern. Ich versuche euch zu sagen: Hier ist euer Zuhause; genau dieser Augenblick ist euer Paradies. Es kommt nur auf euch an. Ihr braucht nicht tugendhaft zu sein, um entfesselt zu tanzen; ihr braucht nicht gelehrt zu sein, um restlos zu tanzen; ihr braucht nicht fromm zu sein, um total zu tanzen. Dazu braucht ihr euch nur damit abzufinden, dass es nur diesen Augenblick gibt: „Wenn der nächste Augenblick da ist, werden wir seine Wirklichkeit bestätigen, aber wir werden nicht auf ihn warten.”
 
Alle Religionen haben euch zu warten gelehrt. Ich lehre euch zu leben, zu lieben, zu tanzen, zu singen – und nicht zu warten. 

Es ist Ostern und ein Priester macht den Kostenvoranschlag für den kirchlichen Blumenschmuck. Ein katholischer Blumenhändler sagt: „Dreihundert Dollar.”
„Viel zu viel“, sagt der Priester … doch der Anbieter gehört zur Gemeinde. 
Ein evangelischer Blumenhändler macht ein Angebot von zweihundertfünfzig Dollar. 
„Billiger“, denkt der Priester, „aber er gehört nicht zur Gemeinde und so groß ist der Unterschied ja nicht.“    
Während er überlegt, verlangt Solly Goldberg nur fünfundsiebzig Dollar dafür.
„Also gut. Solly kriegt den Auftrag.“
Am Ostermorgen betritt die Gemeinde ihre Kirche, die überquillt von herrlichen Azaleen, Kamelien und Rosen und über dem Altar prangt, ausbuchstabiert mit Narzissen, die frohe Osterbotschaft:
„Christus ist aufgestiegen, aber Goldbergs Preise bleiben stabil!”


Aus: The Hidden Splendor, # 16

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