Direkt zum Inhalt

Wie aus dem Gewöhnlichen das Außergewöhnliche werden kann

Auszug aus einem Osho-Diskurs
Oshos Hände

Ich bin nicht hier, um euch zu raten, euer Alltagsleben aufzugeben. Ich bin hier, um euch alle Möglichkeiten, um euch die Alchemie aufzuzeigen, wie aus dem Gewöhnlichen das Außergewöhnliche werden kann. Sei ein Geschäftsmann in deinem Laden, aber nicht daheim. Und vergiss manchmal ein paar Stunden lang sogar dein Zuhause, die Familie, die Frau, die Kinder. Verbring einfach nur mal ein paar Stunden allein mit dir selbst. Versinke tiefer und tiefer in dein eigenes Inneres. Genieße dich selber, liebe dich selber.

Und dann wirst dir nach und nach bewusst, wie eine große Freude aufwallt, die nicht von außen kommt, die nicht in der äußeren Welt verursacht wird. Das ist dein eigener Geschmack, das ist dein eigenes Aufblühen. Dies ist Meditation.

Du sitzt still da,
rührst keinen Finger
der Frühling kommt,
und das Gras wächst von selber.

Setz dich still hin, tu gar nichts und erwarte den Frühling. Er kommt, er bleibt nie aus, und wenn er kommt, wächst das Gras von allein. Dann entdeckst du eine Riesenfreude in dir, ohne jeden Grund. Dann teile sie mit anderen, schenke sie allen! Dann kommt deine Nächstenliebe von innen. Dann ist sie kein Mittel zu einem Zweck mehr; dann hat sie einen unveräußerlichen Wert.

Und sobald du zu meditieren angefangen hast, ist Sannyas nicht mehr weit weg! Mein Sannyas vor allem ist nichts weiter, als in der normalen Welt zu leben, nur halt so, dass sie dich nicht im Griff hat: Du hältst Abstand, bleibst zwar in der Welt, stehst aber etwas über ihr. Das heißt Sannyas.

Es ist nicht das alte Sannyas: Früher musste man vor seiner Frau, seinen Kindern, seinem Beruf in den Himalaya fliehen. Nur hat das leider überhaupt nicht funktioniert. Viele sind in den Himalaya gezogen, aber sie haben ihren beschränkten Verstand mitgenommen. Der Himalaya hat ihnen mitnichten geholfen; vielmehr habe sie die Schönheit des Himalayas zerstört, mehr nicht. Wie soll euch der Himalaya helfen können? Ihr könnt die Welt zwar verlassen, aber ihr könnt euer Denken nicht hinter euch lassen – ihr nehmt es mit. Es steckt in euch drin. Und egal wo ihr hingeht – euer altes Denken wird wieder dieselbe Welt um euch herstellen.

Ein bedeutender Weiser lag im Sterben. Er rief seinen ältesten Schüler zu sich – der überaus glücklich darüber war: Von all seinen Schülern hat der Meister nur ihn zu sich gerufen! Offenbar will er ihm ein großes Geheimnis anvertrauen, das er bisher keiner Menschenseele verraten hat: „Hat er etwa vor, mich zu seinem Nachfolger zu bestimmen?!“ Er nähert sich ihm.
Der Meister sagt: „Ich hab dir nur eines mitzuteilen. Ich hab nicht auf meinen Meister gehört. Als er starb, hat er mit dasselbe anvertraut, aber ich Idiot hab mich nicht dran gehalten, ja, ich hab nicht mal verstanden, was er meinte. Aber ich kann dir aus eigener Erfahrung versichern, dass er recht hat, obwohl es absurd klang, als er es mir verriet.“

Der Mann fragte: „Was denn? Sag es mir bitte. Ich werde es Wort für Wort befolgen.“ Der Meister darauf: „Es ist etwas ganz Einfaches: Lass nie, niemals im Leben eine Katze ins Haus!“ Und bevor der Schüler nach dem Warum fragen konnte, starb der Meister!
Und ehe der Schüler ihn fragen konnte, warum, war der Meister gestorben!
Jetzt stand er da – etwas so Dummes?! Und wen jetzt fragen? Er erkundigte sich bei den Ältesten im Dorf: „Was mag der geheime Sinn dieser Botschaft sein? Irgendein Geheimnis muss ja darin sein!“

Ein Alter sagte: „Ja, es stimmt. Denn sein Meister, der Meister deines Meisters, hatte auch ihm geraten, nie und nimmer eine Katze ins Haus zu lassen, aber er hat nicht drauf gehört. Ich kenn die ganze Geschichte.“
„Erzähl sie mir bitte“, flehte der Schüler, „damit ich verstehen kann, was für ein tiefes Geheimnis sich darin verbirgt. Ich muss schließlich wissen, worum es geht, damit ich’s befolgen kann.“

Der alte Mann lachte. Er sagte: „Es ist eine ganz einfache Sache, und gar nicht absurd. Der Meister deines Meisters hatte ihm etwas Wichtiges aufgetragen, aber er hat die Botschaft nie entschlüsselt. Du bist wenigstens intelligent genug nachzuforschen – er aber unterließ es und vergaß die Sache. Er war noch blutjung, als sein Meister starb, und lebte in der Wildnis. Er hatte nur zwei Kleider bei sich, seine ganze Habe. Aber im Hause gab es Mäuse, die seine Kleider zernagten, so dass er im Dorf stets um neue Kleider betteln musste.
Irgendwer gab ihm den Tipp: „Warum schaffst du dir keine Katze an? Die wird dann die Mäuse fressen und dann bist du das Problem los. Schließlich sind wir selber bettelarm und können dich nicht jeden Monat neu einkleiden!“
Logischerweise besorgte er sich da von irgendwem eine Katze. Doch kaum hatte er sie, fingen seine Probleme an. Die Katze schützte zwar seine Kleider, brauchte aber Milch, denn von Mäusen allein konnte sie nicht leben. Und der Ärmste konnte vor lauter Unruhe auch nicht meditieren, dauernd heulte und miaute die Katze und strich um ihn herum.
Er fragte die Leute im Dorf um Rat und sie sagten: „Tja, das ist eine schwierige Sache – jetzt müssen wir Milch für dich auftreiben. Wir können dir eine Kuh abgeben. Behalte die Kuh am besten gleich, dann kannst du selber Milch trinken und die Katze überlebt auch. Dann brauchst du auch nicht mehr jeden Tag um dein Essen zu betteln.
Er fand die Idee richtig gut. Er nahm die Kuh mit … jetzt fing die Welt an … Auf die Art und Weise fängt die Welt an. Die Kuh brauchte Gras und die Leute sagten: „Bald gibt es Ferien, dann kommen wir und roden den Wald und bestellen den Boden. Dann kannst du etwas Weizen anbauen, andere Dinge, und hast auch Platz für eine Wiese.”
Und die Leute hielten ihr Versprechen. Sie rodeten den Wald, sie säuberten den Boden, sie säten Weizen. Aber jetzt kam das nächste Problem: Man braucht Wasser zum Gießen. Und der Ärmste war von früh bis spät auf seinem Acker beschäftigt. Keine Zeit zu meditieren oder die heiligen Schriften zu lesen!
Wieder fragte er im Dorf um Rat. Er sagte: „Ich versinke immer tiefer in Schwierigkeiten. Wann soll ich denn nun noch meditieren – keine Zeit mehr dafür.“
Sie sagten: „Keine Sorge. Eine Frau ist soeben verwitwet und sie ist jung und wir wollen nicht, dass sie unsere jungen Männer verführt. Nimm sie bitte zu dir. Und sie ist durchaus gesund – sie wird sich um deinen Acker, deine Kuh, deine Katze kümmern, und sie wird für dich kochen, und sie ist auch sehr religiös. Mach dir keine Gedanken, sie wird dich nicht stören.“

„Und so,“ fuhr der Alte fort, „nahm alles seinen üblichen Lauf. Siehst du, wie weit sich der Mann von seiner Katze entfernt hat?

Und die Frau zog ein und begann, sich um ihn zu kümmern und ein paar Tage lang war er richtig froh. Und sie massierte sogar seine Füße … und nach und nach trat das ein, was eintreten musste: Sie heirateten. Und wenn man in Indien heiratet, mindestens ein Dutzend Kinder – ein Dutzend ist das Minimum! Also konnte er seine Meditationen, sein Sannyas vergessen.

Erst im Sterben fiel es ihm wieder ein. Da musste er wieder an seinen Meister denken … wie er sterbend zu ihm gesagt hatte: ,Hüte dich vor den Katzen!’ Darum hat er dir dasselbe gesagt. Nimm dich jetzt also vor den Katzen in Acht! Ein einziger Schritt in die falsche Richtung, und du befindest dich auf dem Irrweg. Und dann wirst du deinen Verstand nie wieder los!“

(…)

Du kannst dich aus der Welt zurückziehen … du nimmst dich selber mit. Du wirst dieselbe Welt deshalb wieder herstellen, weil du ihren Bauplan im Kopf hast. Es kommt also nicht darauf an, die Welt zu verlassen, sondern dein Denken zu verändern, deinem Denken zu entsagen.
Genau das ist Meditation, und genau das heißt Sannyas.

Weitere Themen und News